Michael von Brentano


  • In Mineralien stecken räumliche Grundmuster nahezu sämtlicher natürlicher  Materialität. Kristallachsen und Winkel schneiden sich über weitere Achsen so, dass das sogenannte Kristallsystem entsteht. Je nachdem, wie die Winkel und Achsen zueinander stehen und angeordnet sind, werden unterschiedliche Gitterstrukturen gebildet. Diese lassen oft auch die äußere Erscheinungsform eines  Minerals entstehen. Eine  starke Farbigkeit und Lichtdurchlässigkeit ist den meisten Mineralien eigen.




  • Edelsteine werden aus Mineralien geschliffen und Schmuckstücke werden daraus gefertigt und Machtinsignien, wie Kronen und Zepter. Märchen, Mythen oder Abenteuergeschichten sind voll von magischen Kristallen, verborgenen Schätzen und funkelnden Palastbauten.



  • Nach diesen Aspekten sind neun verschiedene Mineralien ausgewählt:
    Gold, Pyrit, Bergkristall, Diamant, Beryll, Karfunkelstein, Emser Tönnchen, Azurit und Lapislazuli



  • Die Arbeit für das Kindergartengebäude besteht aus zwei Teilen:
    Jedes einzelne Kristallsystem der neun Mineralien ist in unterschiedlichen Farben als räumliche Zeichnung in farbig lackiertem Aluminiumblech umgesetzt und an zentralen Wandflächen montiert.


  • Der zweite Teil der Arbeit ist eine Installation aus 1188 handelsüblichen Lüsterkristallen,  wie sie zur Herstellung von Kronleuchtern gebraucht werden. Lüsterkristalle werden aus klarem und farbigem Glas gefertigt und dann zu speziellen Formen geschliffen. Lüsterkristalle sind in ihrer Grundstruktur lediglich Glas und kein edles Mineral. Sie täuschen vor, Edelsteine zu sein.
    Ausgehend von den Zeichnungen der Kristallstrukturen,  werden alle neun Kristalle in den gleichen Farben, jedoch in verzerrter Form, als Wandbild komponiert,  über das ein imaginäres Raster von 10 x 10 cm gesetzt ist . Überall, wo sich das Raster mit der Wandbildkomposition überschneidet, ist  in der Farbe der Kristallstruktur je ein farbiger, an allen übrigen Teilen der Fläche ein glasklarer Kristallstein gehängt.








  • Es entsteht eine abstrakte Farbkomposition, die Lüsterkristalle treten einerseits als Solitärformen heraus und bilden andererseits in der Gesamtansicht Gemeinschaften. Je nach Lichteinfall bewirken die Reflexe farbige und irisierende Lichtpunkte, die sich je nach Tageszeit und Intensität des Lichtes verändern.



  • Die Arbeit schärft den Sinn für Räumlichkeit, für Licht und Farbe. Man kann die Kinder mit der Erfahrung einer stofflichen Welt bekanntmachen, etwa echte Kristalle mit diesen vergleichen. Sie  können spielerisch Figuren und Formen darin erkennen. Oder sie lassen sich einfach nur vom Funkeln der Glassteine faszinieren. Aufgrund ihrer Durchgängigkeit erfasst die Arbeit das ganze Gebäude unaufdringlich und lässt die Wand hinter einem glitzernden Vorhang verschwinden.